Unser Ziel
Wir erforschen sprachliche Entwicklungsverläufe neu zugewanderter Jugendlicher und fokussieren insbesondere die literale Entwicklung, das heißt, die sprachlichen Fähigkeiten, die für das erfolgreiche Lernen in der Schule wichtig sind. Dabei wollen wir Erfolgsfaktoren identifizieren, um daraus Implikationen für die Bildungspraxis zu ziehen.
Warum interessiert uns die literale Entwicklung neuzugewanderter Schüler:innen?
Derzeit sind ca. 13 % aller Schüler:innen in Deutschland selbst irgendwann nach Deutschland zugezogen, rund 9 % davon erst nach dem fünften Lebensjahr. Das hat Auswirkungen auf die Bildungslandschaft. Eine der ersten zentralen Aufgaben dieser Schüler:innen ist es, die Sprache des Bildungssystems zu erlernen, um erfolgreich an Bildung teilhaben zu können. Nach wie vor gibt es jedoch kaum Forschungsergebnisse zur Entwicklung der deutschsprachigen Fähigkeiten dieser Gruppe.
Ein Grund dafür liegt in der großen Heterogenität der Gruppe sowie in den bisher eingesetzten Testinstrumenten. So liefern groß angelegte, überregionale Studien wie PISA oder NEPS vor allem Querschnittsdaten, die häufig auf kleinen oder stark gemischten Stichproben neu zugezogener Schüler:innen beruhen. Spezifischer ausgerichtete Untersuchungen wie ReGES konzentrieren sich vorrangig auf soziale und bildungsbezogene Faktoren, untersuchen aber nicht, wie der individuelle Spracherwerb insbesondere mit Bezug zum Deutschunterricht verlaufen. Und Studien, die sich gezielt mit der sprachlichen – insbesondere der literalen – Entwicklung dieser Schüler:innen befassen, sind selten. Sie arbeiten meist mit kleinen, nicht repräsentativen Stichproben, die in der Regel nicht longitudinal angelegt sind und sich häufig auf eng umrissene Teilgruppen beschränken.
Es fehlen bislang umfassende, generalisierbare Daten, die unter verschiedenen Rahmenbedingungen systematisch erfasst wurden. Diese Forschungslücke ist angesichts des hohen Anteils neuzugewanderter Schüler:innen im deutschen Schulsystem und und der damit verbundenen bildungspolitischen Konsequenzen besonders problematisch.
Als Forschende, die sich intensiv mit der (Sprach-)Lernsituation dieser Schüler:innen in Deutschland befassen, ist es uns ein zentrales Anliegen, durch eine überregionale und interdisziplinäre Zusammenarbeit die Entwicklungsverläufe dieser Schüler:innen zu untersuchen. Ziel ist es, Erklärungsansätze für unterschiedliche Entwicklungstrajektorien zu entwickeln und daraus fundierte Impulse für die Bildungspraxis abzuleiten.